Die Evolution der Motorradbekleidung: Von Leder zu Hightech-Materialien

Die Evolution der Motorradbekleidung: Von Leder zu Hightech-Materialien

17th März 2025 0 Von sophie

Von den rauen Lederkombis der Pioniere zu Hightech-Anzügen mit integrierten Airbags: Die Entwicklung der Motorradbekleidung ist eine faszinierende Geschichte. Sicherheit, Komfort und Stil haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt und bieten heute für jeden Fahrertyp die passende Lösung.

Die Anfänge: Leder als Schutzschild

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als das Motorradfahren noch in den Kinderschuhen steckte, trugen Fahrer oft robuste Alltagsbekleidung. Doch mit steigenden Geschwindigkeiten wuchs das Bedürfnis nach besserem Schutz. Leder, bekannt für seine Abriebfestigkeit, wurde zum Material der Wahl. In den 1930er Jahren kamen die ersten speziellen Lederoveralls für Rennfahrer auf, die einen deutlichen Fortschritt in Sachen Sicherheit darstellten. Die von Irving Schott entworfene klassische Motorrad-Lederjacke wurde zum Symbol für Freiheit und Abenteuer auf zwei Rädern.

Leder: Robust, aber mit Grenzen

Leder dominierte lange Zeit die Motorradbekleidung, sowohl auf der Rennstrecke als auch im Alltag. Inspiriert von Stilikonen wie Evil Knievel, erfreuten sich Lederkombis großer Beliebtheit. Leder bot hervorragenden Schutz bei Stürzen, vor allem wegen seiner hohen Abriebfestigkeit. Allerdings hatte es auch Nachteile: Es ist relativ schwer, wenig atmungsaktiv und bei Nässe unpraktisch. Zudem benötigt Leder regelmäßige Pflege, um geschmeidig zu bleiben.

Hightech-Materialien auf dem Vormarsch

In den 1960er Jahren begann ein Umdenken. Innovative Materialien wie Kevlar hielten Einzug in die Rennbekleidung. Synthetische Fasern wie Cordura, Aramid (Kevlar) und Polyester revolutionierten die Motorradbekleidung. Sie boten vergleichbaren, oft sogar besseren Schutz als Leder, waren aber leichter, flexibler und atmungsaktiver. Die Einführung von Gore-Tex in den 1990er Jahren, einer wasserdichten und atmungsaktiven Membran, verbesserte den Wetterschutz erheblich.

Materialkunde: Ein Überblick

Heute steht Motorradfahrern eine breite Palette an Materialien zur Verfügung, jedes mit spezifischen Eigenschaften:

Leder

Immer noch beliebt, besonders bei sportlichen Fahrern und Liebhabern des klassischen Looks. Bietet hervorragende Abriebfestigkeit, ist aber weniger flexibel und wetterfest als Textil.

Cordura

Ein sehr abriebfestes Polyamidgewebe, das oft in Tourenbekleidung verwendet wird. Es ist robust, langlebig und relativ leicht.

Aramid (Kevlar)

Extrem reiß- und zugfest, oft als Verstärkung an sturzgefährdeten Stellen eingesetzt. Es ist hitzebeständig, aber lichtempfindlich.

Gore-Tex

Eine wasserdichte und atmungsaktive Membran, die in vielen Textil- und auch Lederbekleidungen zu finden ist. Sie hält den Fahrer trocken und sorgt für ein angenehmes Klima.

Andere Hightech-Materialien

Unternehmen wie die Schoeller Textil AG entwickeln ständig neue Spezialgewebe, die extrem abriebfest, schmutzabweisend und atmungsaktiv sind. Dazu gehören beispielsweise schoeller®-dynatec und schoeller®-keprotec®.

Sicherheitsstandards und Schutzklassen

Die Vielfalt der Materialien erforderte klare Sicherheitsstandards. Die CE-Zertifizierung und die Norm EN 17092 sorgen für Transparenz. Diese Norm definiert verschiedene Schutzklassen, basierend auf Tests, die Abrieb-, Reiß- und Nahtfestigkeit prüfen.

Schutzklassen einfach erklärt

Die EN 17092 bietet eine klare Orientierung, welche Bekleidung für welchen Einsatzzweck geeignet ist:

  • AAA: Höchster Schutz für extreme Bedingungen (Rennstrecke).
  • AA: Hohes Schutzniveau für sportliches Fahren.
  • A: Solider Basisschutz für Alltag und Touren.
  • B: Fokus auf Abriebschutz.
  • C: Primär Aufprallschutz.

Von Protektoren bis zu Airbags

Moderne Motorradbekleidung verfügt über Protektoren an sturzgefährdeten Stellen. Diese bestehen oft aus viskoelastischen Schäumen, die sich bei einem Aufprall verhärten. Ein großer Fortschritt ist die Integration von Airbags, die den Oberkörper bei einem Unfall zusätzlich schützen. Dabei gibt es mechanische Systeme, die durch eine Reißleine ausgelöst werden, und elektronische Systeme, die den Unfall selbstständig erkennen. Die Anforderungen sind in der DIN EN 1621-4 festgelegt.

Die passende Bekleidung für jeden Fahrertyp

Die Wahl der richtigen Motorradbekleidung hängt stark vom individuellen Fahrstil und den Einsatzbedingungen ab. Sportfahrer setzen oft auf eng anliegende Lederkombis mit hohem Abriebschutz, während Tourenfahrer Wert auf Wetterschutz, Komfort und eine gute Belüftung legen, wofür Textilbekleidung mit Klimamembranen ideal ist. Alltagsfahrer bevorzugen oft einen Mix aus Schutz und Alltagstauglichkeit, beispielsweise Textiljacken mit herausnehmbaren Protektoren. Ein weiterer Trend ist die Hybridbekleidung, die Leder und Textil kombiniert, um die Vorteile beider Materialien zu nutzen.

Mehr als nur Schutz: Stil und Ausdruck

Motorradbekleidung ist auch ein Ausdruck von Individualität. Von den praktischen Anfängen, wie sie Bessie Stringfield in den 1930er Jahren repräsentierte, bis zu den heutigen vielfältigen Designs hat sich viel getan. Ob klassische Lederjacke, Retro-Look, sportlicher Hightech-Anzug oder individuelle Custom-Bekleidung – Motorradfahrer können ihren Stil auf vielfältige Weise zum Ausdruck bringen.

Pflegetipps

Die richtige Pflege verlängert die Lebensdauer der Motorradbekleidung. Leder sollte regelmäßig gereinigt und mit speziellen Mitteln gepflegt werden. Textilbekleidung ist oft pflegeleichter, sollte aber gemäß den Herstellerangaben gewaschen werden, um die Funktion der Membranen zu erhalten. Protektoren sollten vor der Wäsche entfernt und separat gereinigt werden.